Beispiel Engerser Landstraße/Gutenbergstraße: Gebäude erstrahlt in neuem Glanz – Denkmalschützer Dr. Reinhard Lahr ist froh, dass sich eine Firma wie die GSG so kümmert.

Unter ihren rund 3400 Wohnungen besitzt die GSG Neuwied in der Deichstadt 22 Häuser, die als Denkmäler unter Ensembleschutz stehen. In der Regel wurden sie Mitte bis Ende der 1920er-Jahre gebaut, vereinzelt stammen sie aber auch aus den 1950er-Jahren. Arbeiten an der Fassade und energetische Sanierung solcher Gebäude erfordern viel Fingerspitzengefühl, Know-how und engen Kontakt mit der Denkmalmalpflege. Ein gutes Beispiel dafür ist das Eckhaus an der Engerser Landstraße/Gutenbergstraße, das die GSG jüngst mit viel Aufwand in ein wahres Schmuckstück verwandelt hat.

Früher war der Anstrich verblichen, heute dagegen strahlt die frische Fassade in einem schönen Blau-Grün. Das aber war nicht der Grund für die Sanierung, vielmehr musste man sich um abbröckelnde Putzstellen und die schadhaften Originalbalkone kümmern, die aufgrund von Korrosionsschäden nicht mehr zu retten waren. Nicht zu vergessen: Anhand von alten Fotografien wurde die historische Fenstergliederung mit Sprossen wieder aufgegriffen.

Das schmucke Haus gehört seit dem Jahr 2004 zur Denkmalzone „Gutenbergstraße“, steht also wie die benachbarte Sonnenland- und die Mondlandsiedlung unter Ensembleschutz. Wie Dr. Reinhard Lahr, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung, erläutert, dient dies der Erhaltung des charakteristischen, prägenden Straßen- und Stadtbildes der Jahre um 1926. Dabei, so Dr. Lahr, stellt dieser Straßenabschnitt aufgrund der architektonischen Gesamtwirkung des Ensembles wie auch der baulichen Details ein Zeugnis damaliger Stadtbaukunst dar.

In der Begründung zur Unterschutzstellung werden die vom Neuwieder Architekten Valentin Müller entworfene klar gegliederte, ansprechende Fassade, die für die Zeit typischen Rundbogenfenster im Erdgeschoss sowie die Reliefs im Art-deco-Stil am Portal des Haupteingangs hervorgehoben. Wie Dr. Lahr erklärt, finden sich hier neben floralen Motiven wie Blumen- und Weinranken auch figürliche Motive in Girlandenform. Im Türsturz ist die Jahreszahl 1926 sowie das Kürzel der Siedlungsgesellschaft „Gebus“ zu erkennen – die Gebus, also die Gemeinnützige Bau- und Spargenossenschaft, war einer der Vorläufer der GSG Neuwied und hatte diese Gebäude errichten lassen.

GSG-Architektin Maxine Dieckhoff betreut das Projekt seit Herbst 2023. In der Vorbereitungsphase hat die Frage nach der energetischen Sanierung die meiste Zeit gefressen. Kellerdecke und die obere Geschossdecke wurden gedämmt. Was aber sollte mit den Außenwänden geschehen? Ein Problem, denn der Ensembleschutz schreibt vor, dass die Fassaden im Originalzustand erhalten bleiben müssen. Nach intensiven Untersuchungen mithilfe von Kernbohrungen hat sich dann glücklicherweise herausgestellt, dass die Wände des Gebäudes ausreichende Dämmqualität besitzen. „Die haben damals gut gebaut, besser als viele Gebäude in den 1950er- und 60er-Jahren“, fasst Maxine Dieckhoff ihre Erfahrungen zusammen.

Zehn großzügig geschnittene Wohnungen sind in dem Eckhaus zu finden. Viele Mieter leben hier schon sehr lange. Die neuen Balkone im rückwärtigen Bereich bieten ihnen jetzt mehr Platz als die alten.

Es mag heutige Zeitgenossen verwundern, dass es sich bei diesem Ensemble um sozialen Wohnungsbau vor 100 Jahren handelt. Anspruch solcher städtebaulicher Konzeptionen war es laut Dr. Reinhard Lahr, den für die damalige Zeit modernen Wohnansprüchen gerecht zu werden und den Menschen zugleich ein Zuhause im Grünen der Vorstadt zu bieten. Die kleinen Vorgärten und Grünflächen hintenraus erinnern ebenso wie das benachbarte Sonnenland an die sozialreformerische Gartenstadt-Bewegung, die sich bessere Lebens- und Wohnbedingungen in städtischen Quartieren zum Ziel gesetzt hatte.

Reinhard Lahr zieht das Fazit: Die Sanierung des Hauses sei dank detaillierter Absprachen mit der Architektin problemlos verlaufen. Alle Details, die seinen historischen Wert ausmachen, sind gesichert und wieder deutlich zu erkennen. Fachmann Lahr lobt das Engagement: „Wir können froh sein, dass sich eine Firma wie die GSG so kümmert.“

Bildunterzeilen

Foto a) Das toll sanierte GSG-Wohnhaus an der Ecke Engerser Landstraße/Gutenbergstraße aus dem Jahr 1926 von der Straßenseite aus fotografiert. Foto: Michael Stoll/GSG

Foto b) GSG-Architektin Maxine Dieckhoff hat die Sanierung des Eckhauses betreut. Sie steht am Portal des Haupteingangs, der mit den Reliefs im Art-deco-Stil besonders erhaltenswert ist.  Foto: Michael Stoll/GSG

Foto c) Denkmalschützer Dr. Reinhard Lahr lobt das Engagement der GSG Neuwied in Sachen Erhaltung schützenswerter Bausubstanz. Foto: Michael Stoll/GSG